Wissenschaftliche Peer-To-Peer-Suchmaschine geht in den Testbetrieb

Eine wissenschaftliche Peer-To-Peer-Suchmaschine für das Gigabit-Wissenschaftsnetz (G-WiN) geht in den Testbetrieb. Das Projekt wird von der Berliner Neofonie durchgeführt. Wie der Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes heute in Berlin mitteilte, wird das Projekt mit Mitteln des Bundesforschungsministeriums gefördert.

Ähnlich den Musik-Tauschbörsen basiert der im Projekt entwickelte Dienst DFNS2S auf einem Netzwerk von Peers (Knoten). Anders als Gnutella, Kazaa &Co., die zum Auffinden von Dateien nur Titel und Metadaten von Dokumenten verwenden, erfolgt die Suche bei DFNS2S zusätzlich im Volltext der bereitgestellten Daten und Dokumente. Dadurch soll eine wesentlich präzisere Suche nach bestimmten Inhalten möglich sein. Außerdem unterscheidet DFNS2S zwischen Provider- und Consumer-Peers. Nicht jeder, der den Dienst nutzen möchte, muss also gleichzeitig auch Inhalte anbieten.

Ein besonderer Nutzen für die Wissenschaft soll dadurch entstehen, dass die Provider Peers in den Einrichtungen auch Datenbankinhalte und häufig aktualisierte Dokumente auffindbar und verfügbar machen können. So sammelt der in DFNS2S eingesetzte Such-Roboter Dokumente in dafür freigegebenen Dateisystemen, auf FTP Servern und Web-Servern. Automatisch erstellte lokale Volltextindizes der gefundenen Dokumente werden bei Änderungen am Dokumentenbestand aktualisiert.

Aktueller und vollständiger als Google

Die Vollständigkeit und Aktualität soll bei aktiver Nutzung des Systems durch wissenschaftliche Einrichtungen größer sein als bei allgemeinen Internet-Suchmaschinen wie z. B. Google oder Fireball.

Wer Seminararbeiten, Dissertationen oder Multimedia-Daten anbieten möchte, muss zuvor einen sogenannten "Provider-Peer" auf seinem Rechner installieren. Der Provider-Peer macht ein speziell für die Öffentlichkeit angelegtes Verzeichnis auf der Festplatte der Allgemeinheit zugänglich. Alle Daten, die dann im "öffentlichen" Bereich der Festplatte bzw. auf einem Intranet-Server abgelegt werden, sind dann für die übrigen Teilnehmer von DFNS2S einzusehen und können über das Netz heruntergeladen werden.

Wer lediglich in fremden Archiven stöbern will, kann dies auch ohne Installation einer Software tun. Die "Consumer-Peers" werden über einen zentral betriebenen Web-Server angeboten und können mit Hilfe eines herkömmlichen Web-Browsers genutzt werden. Auch für Java-fähige mobile Endgeräte wie Handhelds oder künftige Handy-Generationen werden zur Zeit Consumer Peers entwickelt.

Zur Beschleunigung der Suchanfragen und Datentransfers dienen spezielle "Hub Peers" im Gigabit-Wissenschaftsnetz G-WiN. Diese fungieren als Schaltstelle und bündeln den Austausch von Suchanfragen, Suchergebnissen und Dokumenten.

Von Juli 2003 bis zum Jahresende soll das System auf seine Leistungsfähigkeit und Stabilität in der Praxis getestet werden. Die Nutzung des Dienstes ist in dieser Zeit nur für angemeldete Beta-Tester möglich. Ab 2004 steht die DFNS2S-Software dann allen wissenschaftlichen Einrichtungen kostenlos zur Verfügung. (as)Quelle: de.internet.com